irgendwann im Herbst 2012

Heute morgen: Auf dem Weg in die jetzt-Redaktion ging ich am Stachus die Treppe zur S-Bahn hinunter. Neben mir auf der Rolltreppe überholte mich ein Typ. Ich dachte, dass mich sicher auch gleich das Paar überholen würde, das vorhin noch vor mir gelaufen war und dann nicht, wie ich, die normale Treppe, sondern die Rolltreppe genommen hatte. Doch das Paar kam nicht. Und dann fiel mir plötzlich ein, wieso: Paare gehen ja auf Rolltreppen nicht. Für sie sind Rolltreppen ein Ort der Intimität, der gegenseitigen Widmung, ein wortlos vereinbarter Zuneigungstreffpunkt inmitten der Hektik. Sie bleiben stehen, um sich in den Arm zu nehmen oder sich zu küssen. Einer steht immer höher und kann den anderen ideal umarmen, oder ideal küssen, je nach Größe der Beteiligten. Und wenn sie sich nicht küssen, dann legt der eine mindestens seinen Kopf gegen den anderen oder wühlt sich in seinen Jackenkragen, schließt die Augen und fühlt sich kurz zu Hause. Ich drehte mich um und hatte Recht: Die beiden lagen sich in den Armen und ließen sich in ihrer unsichtbaren Blase der Zweisamkeit nach unten tragen.